Ein häufig diskutiertes Thema ist zweifelsfrei die Heufütterung unserer Pferde. Wir alle füttern es, sprechen darüber und haben dennoch wenig Wissen über die Heufütterung unserer Pferde. „Das muss sich ändern!“, dachten wir uns. Deshalb haben wir in diesem Beitrag unserer Interview-Reihe „Stallgeflüster“ mit jemanden gesprochen, der es nicht besser wissen könnte: Stallbesitzer und Landwirtschaftsmeister Matthias Wölfel.

tierischtopfit.de: Hallo Matthias. Erst einmal vielen Dank, dass du dir heute Zeit für uns nimmst und uns einige Fragen zur Heufütterung unserer Pferde beantwortest. Beginnen wir mit den Grundlagen der Heufütterung und starten gleich mit den wichtigsten Fragen:

Wie viel Heu sollte ein Pferd/Pony pro Tag fressen?

Matthias Wölfel: Allgemein sagt man, dass es auf den Gesamtzustand und die tägliche Bewegung des Pferdes ankommt. Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Beschaffenheit des Heus, denn strukturreiches Heu sättigt besser. Als Faustregel hinsichtlich der täglichen Fütterungsmenge nimmt man 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichtes. Ein 600 kg schweres Warmblut sollte demnach 9 bis 12 kg Heu pro Tag zu sich nehmen.

Wie viele Stunden sollte ein Pferd pro Tag fressen? Wie lange sollten Fresspausen maximal andauern?

Matthias Wölfel: Die Verdauung der Pferde ist auf eine ständige Nahrungsaufnahme in kleinen Mengen ausgelegt. Wir sprechen hier also von einer Futteraufnahme von über 20 Stunden. Am Ende des Tages sollen dann die bereits genannten Futtermengen zustande kommen. In der heutigen Pferdehaltung gelingt eine 20-stündige Heuaufnahme leider nicht immer, sollte aber unbedingt angestrebt werden. Entstehende Fresspausen sollten nicht länger als vier – allerhöchstens sechs – Stunden andauern.

Heunetze werden oft verwendet um Fresspausen zu vermeiden. Wie stehst du zu Heunetzen und was gibt es zu beachten?

Matthias Wölfel: Als Stallbesitzer habe ich eine geteilte Meinung zu Heunetzen. Zum einen entsteht durch das Befüllen ein hoher Arbeitsaufwand, zum anderen gewährleisten sie eine längere und vor allem langsamere Futteraufnahme. Beachtet werden muss auf jeden Fall die Höhe, in der die Heunetze aufgehängt werden. Wenn man die Netze zu tief anbringt, können beschlagene Pferde in den Maschen hängen bleiben. Eine zu hohe Anbringung fördert jedoch die Bildung eines unerwünschten Unterhalses. Zudem atmen die Tiere dann vermehrt herabfallenden Staub ein.

Meine Empfehlung für euch: Wenn ihr euren Pferden das Raufutter aus Netzen anbieten möchtet, verwendet am Besten das Heu der regulären Ration. Denn zum Aufteilen der Futtermenge sind die Heunetze sehr gut.

Was gibt es bei der Heufütterung unserer Pferde, die magenempfindlich und allergisch reagieren, zu beachten?

Matthias Wölfel: Gerade bei magenempfindlichen Pferden ist eine kontinuierliche Futteraufnahme von kleinen Mengen anzustreben. Durch das Kauen und die damit verbundene natürliche Speichelbildung gelangt Bicarbonat (=Speichel) in den Magen. Das beugt einer Übersäuerung des Organs vor. Das Heu sollte strukturreich, mit wenig Rohasche verschmutzt und allgemein von guter Qualität sein. Zum Thema Rohasche werde ich im Folgenden noch eingehen. Bei Allergikern gilt das Gleiche, wobei man neben der guten Heuqualität in Absprache mit dem Tierarzt weitere Maßnahmen ergreifen kann. In solchen Fällen wässern wir das Heu.

Was hältst du von gewässertem beziehungsweise gewaschenem Heu?

Matthias Wölfel: Sicherlich gibt es Pferde, die zwingend mit gewässertem Heu gefüttert werden sollten. Dazu zählen zum Beispiel Allergiker. Wenn man Heu in einem großen Behälter waschen möchte, sollte man das Wasser zwingend jeden Tag wechseln. Nicht viel halte ich hingegen von eingeweichtem Heu, das über einen längeren Zeitraum im Wasser liegt. Das Wasser verkeimt gerade im Sommer schnell. Diese Keime möchten wir unseren Tieren nicht füttern.

Wie handhabt ihr die Heufütterung während die Pferde auf der Koppel sind?

Matthias Wölfel: Auf unseren Koppeln stehen überdachte Heuraufen in angemessener Höhe. Wir verwenden Raufen mit Rundballennetz beziehungsweise mit Holzgitter auf losem Heu. Durch die Netze und Gitter wird nicht nur die Fressgeschwindigkeit reduziert sondern auch die Verschwendung des Futters. Das Heu wird dadurch nicht aus der Raufe herausgezogen. Wir befüllen die Raufen täglich mit so viel Heu, dass es frühestens ab 13 Uhr zu einer Fresspause kommt. Gegen 17 Uhr werden die Pferde dann von der Koppel geholt und bekommen in der Box die nächste Ration Raufutter.

tierischtopfit.de: Du als Landwirtschaftsmeister verfütterst nicht nur Heu. Nein, du stellst es sogar selbst her. Kannst du uns kurz erklären die Herstellung und Lagerung von Heu funktioniert? Unsere erste Frage dazu lautet:

Welchen Weg geht das Gras bis es unseren Pferden als Heu serviert wird?

Matthias Wölfel: Um ein vernünftiges Graswachstum zu erzielen, wird eine gute Wiesenpflege benötigt. Pferde produzieren organischen Dünger, welchen wir im Herbst in einer sehr feinkrümeligen Form in Mengen von circa einer Tonne pro Hektar auf dem Grünland verteilen. Wir bringen also Phosphor und Kali auf die Wiese. Über den Winter verrottet der Mist dann weiter bis ins zeitige Frühjahr.

Dann schleppen wir die Wiesen ab. Abgestorbene Pflanzenreste, Maulwurfshügel sowie der restliche Mist werden aufgelockert und wachsen in die Grasnarbe ein. Warum wir die Maulwurfshügel entfernen müssen? Weiter oben erwähnte ich bereits, dass wir so wenig Rohasche wie möglich im Heu haben möchten. Salopp gesagt ist Rohasche Erde und Maulwurfshügel bestehen aus Erde. Anschließend kann die Wiese noch mit circa 30 bis 50 kg Stickstoff (Rein-N) je Hektar gedüngt werden. Mehr Stickstoff verwenden wir nicht, da ansonsten die Eiweißgehalte im Heu zu hoch werden.

Wenn Blattbildung und Blüte abgeschlossen sind, können wir das Grünland mähen. Das Gras wird je nach Sonneneinstrahlung vier Mal gewendet und mit dem Kreiselschwader zusammengelegt. Bei uns im Betrieb pressen wir mit einer Rundballenpresse ohne Schneidwerk bei mittlerer Dichte.

Mein Tipp: Presst das Heu nicht zu dicht. Durch eine zu hohe Pressdichte schimmelt das Heu leichter und es beginnt zu bröckeln.

Anschließend fahren wir das Heu in unser Lager.

Stallgeflüster: Fakten zur Heufütterung unserer Pferde
Matthias mit seinem selbst hergestellten Heu

Welche Qualität sollte das Heu haben? Woran erkennt man gutes Heu? Farbe? Geruch?

Matthias Wölfel: Für Pferde ist immer die bestmögliche Qualität anzustreben. In der Regel bezieht sich die Qualität auf strukturreich sowie unverregnet. Auch die Bröckelverluste sollten gering gehalten werden. Gutes Heu erkennst du zum einen daran, dass es leicht auseinander fällt wenn man den Ballen öffnet und zum anderen dass man die ursprüngliche Pflanzenstruktur (Rispen und Blätter) erkennt. Die Farbe sollte natürlich grün sein und wenn man es anfasst sollte es knackig trocken sein. Zudem sollte das Heu nicht erdig stauben und den typischen Heugeruch aufweisen.

Kann der Landwirt die Qualität des Heus beeinflussen?

Matthias Wölfel: Absolut ja. Das beginnt bereits beim Abschleppen der Wiesen. Es ist eine ganz wichtige Pflegemaßnahme und beeinflusst den Rohaschegehalt im späteren Heu maßgeblich.

Vor dem Mähen des Grünlands heißt es erst einmal Wetterbericht schauen – denn wir benötigen mindestens vier trockene sowie warme Tage am Stück. Wenn es an das Mähen geht, muss die Schnitthöhe des Mähwerks richtig eingestellt werden. Diese sollte nicht zu tief sein. Wir schneiden das Gras bei ungefähr sieben Zentimetern ab.

Natürlich stellen wir auch sicher, dass die Erntemaschinen nicht in der Erde kratzen. Habt ihr schon einmal staubige Kreise auf einer frisch gemähten Wiese gesehen? Hier waren die Maschinen zu tief eingestellt und wirbelten Erde auf. Das macht sich ebenfalls wieder im Rohaschegehalt des Heus bemerkbar.

Wir geben außerdem auf die Drehzahlen der Heuwerbe- und Erntemaschinen Acht. Ein zu schnell laufender Wender schlägt die Blätter des Grases ab. Dadurch würden wir wertvolle Mineralstoffe verlieren. Weiter oben erwähnte ich bereits die optimale Pressdichte der Rundballen. Auf diese sollte man selbstverständlich auch achten.

Wie lagert man Heu richtig?

Matthias Wölfel: Die Heuballen sollten an einem trockenen Ort gelagert werden. und vor Regen geschützt sein. Eine hohe Luftfeuchte schadet dem gepressten Ballen hingegen nicht. Bei Rundballen empfehle ich eine zylindrische Lagerung, können die Ballen besser ausdünsten. Um Liegestellen zu vermeiden, könnt ihr den Boden mit Paletten ausstatten. So kommt Luft von unten an die Ballen.

Wie alt sollte das Heu zum Zeitpunkt des Verfütterns sein?

Matthias Wölfel: Das hängt vor allem vom Schnittzeitpunkt. Früh geschnittenes Heu (Schnittzeitpunkt Mitte Mai) steht voll in der Fotosynthese. Es werden also Nährstoffe eingelagert und die Mikroorganismen arbeiten. Ein solches Heu muss dann mindestens acht Wochen eingelagert werden. In unserem Betrieb ernten wir das Heu erst ab Mitte Juni und legen es dann für mindestens sechs Wochen in unser Lager. Zu diesem Zeitpunkt ist das Raufutter dann strukturreicher und holziger.

tierischtopfit.de: Es ist wirklich interessant zu hören, was alles hinter einem Ballen Heu steht. Man bekommt durch dieses Wissen ein ganz anderes Gefühl für das Raufutter und achtet auch die Arbeit des Landwirtes mehr. Nun hätten wir noch eine letzte Frage und zwar:

Manche Pferde neigen zu angelaufenen Beine. Kann das mit der Heufütterung unserer Pferde zusammen hängen? Wenn ja, warum?

Matthias Wölfel: Ja, das kann durchaus sein. In sehr trockenen Jahren, wie zum Beispiel 2018 und 2019, lagert das Gras eine zu hohe Dichte an Nährstoffen ein. Die Pflanzen nehmen die Frühjahrsfeuchtigkeit und damit die Nährstoffe aus dem Boden auf. Durch die Sonneneinstrahlung findet eine stärkere Fotosynthese statt, weitere Feuchtigkeit hingegen wird aufgrund des geringen Niederschlags nicht aufgenommen. Die Nährstoffe werden im Gras folglich in einer untypischen Dichte eingelagert.

Unsere Pferde nehmen mit diesem Heu mehr Nährstoffe als gewöhnlich auf und reagieren teilweise aufgrund fehlender Bewegung oder Stoffwechselproblemen mit angelaufenen Beinen. Als erste Hilfe-Maßnahme schlage ich mehr Bewegung vor. Sollten die Beine dann nicht klarer werden, kann man das Kraftfutter reduzieren oder gar weglassen.

Für ein zu nährstoffreiches Heu kann weder der Landwirt noch der Stallbesitzer etwas. Tun sollte man aber auf jeden Fall etwas, denn eine andauernde zu hohe Nährstoffkonzentration im Futter kann zu Leberproblemen führen.

tierischtopfit.de: Vielen Dank, Matthias!

Wir haben von unserem Tierarzt noch einen Tipp bezüglich der angelaufenen Beine bekommen. Die Fütterung von getrockneten Brennnesseln unterstützt unsere Pferde in solchen Situationen.

Ihr habt dieses Interview gelesen, weil ihr ein magenempfindliches Pferd oder Pony habt, das eventuell unter Magengeschwüren leidet? Laura hat euch in einem weiterem Beitrag über ihre Erfahrungen zu diesem Thema berichtet.


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